Computersucht macht nicht nur einsam

Gastbeitrag von: www.wirinwallenhorst.de

Experten diskutierten im Kreishaus

Osnabrück. Schon 60 Prozent aller Haushalte in Deutschland sind online. Doch wie gefährlich ist es, wenn immer mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu viel Zeit am Computer verbringen? Mit den Auswirkungen exzessiver Computerspielnutzung befassten sich jetzt Fachleute aus den Bereichen Sucht, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Jugendhilfe. Der Gesundheitsdienst für Landkreis und Stadt Osnabrück hatte zu der Veranstaltung ins Kreishaus eingeladen.

„Übersteigerter Medienkonsum führt zu tief greifenden seelischen Veränderungen.“ So lautete das Fazit des Erziehungswissenschaftlers und Autors Wolfgang Bergmann vom Institut für Kinderpsychologie und Lerntherapie Hannover. Wenn sich Kinder bis tief in die Nacht in virtuellen Welten tummeln, sei es kein Wunder, wenn zu wenig Zeit für Schule, Freunde, Sport oder andere Hobbys bleibe, so Bergmann. „Gutes Zureden oder Verbote bringen wenig, die von der Computersucht betroffenen Kinder spüren den Leidensdruck ja selbst.“ Das geht auch aus einer Befragung des von dem Wissenschaftler Christian Pfeiffer geleiteten Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) hervor.

Unter anderem wurden auch Osnabrücker Schüler befragt. Gerade Jungen berichten häufig über Symptome, die auf eine krankhafte Nutzung schließen lassen: Sie können die Spielzeit nicht mehr kontrollieren und leiden unter Entzugserscheinungen bei Verzicht auf das Spielen, obwohl sie um die negativen Konsequenzen in Schule, Elternhaus und Freundeskreis wissen. Florian Rehbein vom KFN hat dabei keinen signifikanten Unterschied zwischen Berufsschülern und Gymnasiasten festgestellt. „Aber es gibt Unterschiede im Suchtpotenzial der verschiedenen Computerspiele,“ so Rehbein. „Vor allem Online – Spiele und darunter Rollenspiele und so genannte Shooter binden die Jugendlichen.“ Für Rehbein und seine Kollegen trägt der Jugendmedienschutz diesem Umstand noch viel zu wenig Rechnung.

Was aber finden Kinder und Jugendliche in diesen elektronischen Spielen? „Dazu müssen wir uns erstmal fragen, was wir ihnen verweigern,“ sagt Experte Bergmann. Es seien dies Abenteuer, das Fantastische, das Grandiose und auch das Soziale, „Also all das, was Kinder früher im Spiel mit anderen, beim Herumstromern in der Natur selbst erfahren durften und was ihnen heute aus den unterschiedlichsten Gründen vielleicht verwehrt bleibt.“ Im Computerspiel sei alles da. „Der Spieler ist allmächtig – und doch ganz allein.“ Sucht sei zerstörerisch, so Bergmann. Therapien steckten noch in den Kinderschuhen.

Quelle: www.wirinwallenhorst.de ist das erste Online-Magazin aus der Gemeinde Wallenhorst im Osnabrücker Land. Seit März 2006 veröffentlicht es regionale Nachrichten aus Politik, Wirtschaft, Vereinsleben, Sport und vielem mehr.

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Stepanie Braun Januar 2, 2011 um 18:52

Ja, ein wirklich sehr heikles Thema, welches in der letzten Zeit schon etwas in Vergessenheit geraten ist. Früher waren Computer und Internet noch neu, wurden skeptisch betrachtet und in den Augen vieler älterer Menschen „böse“. Heute sind zahlreiche Stunden vor dem Computer akzeptiert, sodass die Computer-Sucht auch erst immer später erkannt werden kann.

euroduplication@pressen lassen Januar 17, 2011 um 14:34

Das ist gar nicht lustig.

Kenne Leute, die Job verloren haben und sich nicht mehr um Ihre Kinder kümmern, weil Sie tag und nacht vor dem www hängen.

Frank August 8, 2011 um 14:42

I took the short quiz to know if I was one (computer addict) and I found out I’m not. Geez, I thought I was one. You can’t blame people if they get into it badly. It’s how the world goes.

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