Computersucht – die psychologische Perspektive

In zahlreichen Studien, Artikeln und Fernsehinterviews wird diskutiert, welchen Anteil Computerspiele und die Art Ihres Inhalts und Aufbaus an öffentlichkeitswirksamen Tragödien wie Amokläufen, Morddelikten und anderen Straftaten haben. Was zumeist nicht diskutiert wird, sind jedoch die psychischen Folgen von PC-Spielen und Internetkonsum für den nicht-auffälligen Normalbürger. Ab wann eine Computersucht vorliegt, lässt sich weniger über den Anteil der vor dem PC verbrachten Zeit ermitteln – viele Menschen sitzen heute schon allein aus beruflichen Gründen täglich stundenlang vor dem Computer. Entscheidend sind vielmehr psychische Faktoren, wie beispielsweise Entzugserscheinungen, starkes Verlangen vor dem PC zu sitzen, Schlafstörungen aufgrund des verschobenen Schlaf-Wach-Rhythmus oder Aggressivität.

Die psychologische Perspektive der Computersucht

Die Entdeckung der neuen Welt

Aus psychologischer Sicht ist Computersucht ein spannendes und komplexes Thema. Vor allem bieten PC-Spiele und das Internet dem Individuum parallele Welten, in denen es agieren kann. Jeder Mensch bewegt sich in seinem Leben täglich in verschiedenen Kontexten, sozialen Gruppen und in unterschiedlichen Rollen. Diese basieren zu einem hohen Prozentsatz auf identischen Werten, Regeln und Konventionen. In den Realitäten des Internets und der PC-Spiele hingegen, gelten nicht selten vollkommen andere soziale Normen und ein ganz anderer Verhaltenskodex. Zudem ist der User hier auf Wunsch, anders als in den Realitäten des täglichen Lebens, vollkommen anonym. Seine Handlungen können daher nicht auf seine eigene Persönlichkeit zurückgeführt werden. Vor allem Menschen, die im echten Leben mit Problemen wie sozialer Isolation, geringem Selbstwert oder Perspektivenlosigkeit zu kämpfen haben, sind für die digitalen Realitäten sehr empfänglich. Es gibt dort weniger Vorurteile, weniger Einschränkungen und das Gefühl, jeden Tag etwas vollkommen Neues und anderes zu erleben.

Unser Gehirn strebt nach Kontrolle

Aus psychologischer Perspektive vermittelt dies dem User ein Gefühl von Kontrolle: Er hat sein Leben in einer einfacheren und weniger komplexen Welt endlich wieder selbst in der Hand. Viele aktuelle PC-Spiele und vor allem moderne Online-Rollenspiele setzen genau auf diesen suchterzeugenden Effekt. Der User wird durch seinen Avatar in eine Welt versetzt, in der er selbst entscheidet, wie er aussieht, was er tut und wie er von anderen wahrgenommen wird. Ein weiterer wichtiger Punkt: In digitalen Welten lassen sich Erfolge meist viel schneller erzielen als im wirklichen Leben. Schnell ist das „digitale Ich“ von Level 1 auf Level 12 gebracht. Je mehr Zeit der User investiert, desto mehr Erfolge erlebt er. Für das menschliche Gehirn ein tückisch-verlockendes Prinzip: Es schüttet Glückshormone und aktivierende Neurotransmitter wie Dopamin, Adrenalin und Serotonin aus, jedes Mal wenn Fortschritte gemacht werden. Schon nach kurzer Zeit möchte unser Gehirn dieses Prinzip nicht mehr missen. Abhängigkeit stellt sich ein, vergleichbar mit der Abhängigkeit gegenüber Drogen wie Nikotin, Alkohol oder Rauschgiften. Immer mehr Menschen konzentrieren sich auf die Erfolge in der digitalen Realität. Warum soll ich mich in der wirklichen Welt so abplagen, wenn es im Internet doch so schnell und einfach geht? Aktuellen Studien zu Folge sind allein in Deutschland 560.000 Menschen computer- und internetsüchtig.

Der Übergang vom Spaß- und Freizeiterlebnis zur Sucht ist vor allem bei Computerspielen häufig sehr fließend und das Problem tritt nicht nur bei Jugendlichen auf: Der durchschnittliche PC-Spieler ist 35 Jahre alt. psycheplus.de bietet Menschen die Möglichkeit, mittels eines wissenschaftlichen psychologischen Tests heraus zu finden, ob bei ihnen Hinweise auf eine mögliche Computersucht vorliegen und lässt Betroffene nicht allein: Über das Portal können qualifizierte Therapeuten gefunden werden und der User kann direkt online mit qualifizierten Experten interagieren um seine wichtigsten Fragen zu stellen und bei Bedarf erste Hilfe zu erhalten. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.psycheplus.de.

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Klaus Krebs August 22, 2012 um 10:51

Ihre Analyse ist sehr stimmig. Es kommt eine weitere Komponente hinzu. Viele der Spiele haben extreme körpersprachliche Aktivitäten: springen, rennen, kämpfen. Diese können in der Imagination vom Gehirn als Ersatz angenommen werden, so dass gerade diejenigen die sich wenig bewegen verstärkt von der Sucht betroffen sind.

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