Internetsüchtig

Wer ist Internetsüchtig?

InternetsüchtigMehr als eine halbe Million Deutsche sind internetsüchtig – zu diesem erschreckenden Ergebnis kam eine Studie, die von den Universitäten Lübeck und Greifswald mit Hilfe von Fördergeldern des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführt wurde. Die genaue Zahl der Personen, die in Deutschland als internetsüchtig angesehen werden müssen, wird in dieser Untersuchung mit 560.000 angegeben.

Internetsucht ist eine ernsthafte Erkrankung, unter der die Betroffenen und ihre Angehörigen stark leiden. Wie jede andere Suchtkrankheit, ist auch Internetssucht durch psychische Abhängigkeit und zunehmenden Kontrollverlust gekennzeichnet. Ein Mensch, der internetsüchtig ist, kann die Zeit, die er täglich vor dem Computer verbringt, weder steuern noch begrenzen. Seine Gedanken kreisen vor allem um die Inhalte des Internets, die für ihn besonders interessant sind. Wenn einer Person, die intersüchtig ist, der Zugang ins Netz, aus welchen Gründen auch immer, nicht möglich ist, kommt es zu regelrechten Entzugserscheinungen wie innerer Unruhe, Nervosität und depressiven Verstimmungen. Wer internetsüchtig ist, verliert immer mehr den Bezug zur Realität und lebt online in einer Art Scheinwelt. Soziale Kontakte, Beruf und Schule werden meist vernachlässigt, wenn man internetsüchtig ist. Viele Eltern, deren Kinder internetsüchtig sind, wissen nicht, wie sie ihren Söhnen oder Töchter helfen können, einen Weg aus der Abhängigkeit zu finden. Doch auch viele Erwachsene sind internetsüchtig und büßen durch diese Krankheit Lebensqualität ein. Betroffene können sich sowohl an Ärzte als auch an zahlreiche Beratungsstellen wenden, um Hilfe zu bekommen.

Bei der Vorstellung der Studie zur Internetsucht erläuterte Mechthild Dyckmans als Drogenbeauftragte der Bundesregierung, dass insgesamt ein Prozent der deutschen Bevölkerung im Alter zwischen 14 und 64 internetsüchtig ist. Darüber hinaus ist bei weiteren 4,6 Prozent der untersuchten Gruppe festzustellen, dass sie zwar noch nicht internetsüchtig sind, aber einen Internetkonsum pflegen, der als problematisch angesehen werden muss. Das entspricht immerhin der beträchtlichen Zahl von 2,5 Millionen Personen. Besonders viele Jugendliche sind internetsüchtig: Im Alter zwischen 14 und 24 sind 2,4 Prozent abhängig vom Internet, bei 13,6 Prozent ist ein problematischer Internetkonsum festzustellen.

Für viele überraschend ist das Ergebnis der Studie, dass junge Mädchen in der Altersgruppe der 14 bis 16 Jährigen in größerem Umfang internetsüchtig sind als Jungen im gleichen Alter: Knapp 5 Prozent aller Mädchen in diesem Alter sind internetsüchtig, während nur 3,1 Prozent der gleichaltrigen Jungen als internetsüchtig eingestuft werden. Dabei unterscheiden sich die Internetanwendungen, die Mädchen internetsüchtig machen von denen, die von Jungen bevorzugt werden. Mädchen, die internetsüchtig sind, beschäftigen sich überwiegend (77 Prozent) mit Sozialen Netzwerken, während Jungen eher von Online Computerspielen abhängig werden. Von diesen Spielen sind nur etwa 7 Prozent der Mädchen abhängig.

Aus diesen Zahlen wird ersichtlich, dass insbesondere Jugendliche internetsüchtig sind. So hat auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, angekündigt, dass sich ihre Behörde im Jahr 2012 insbesondere die Bekämpfung der Computersucht bei Heranwachsenden zur Aufgabe machen werde. Unter anderem soll dann auch untersucht werden, ob die Altersbeschränkungen bei bestimmten Computerspielen ausreichend sind, oder nach oben gesetzt werden müssen.


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Simon Dezember 11, 2011 um 10:00

Wer ein wirklich selbstkritischer Gamer ist, wird auch zugeben (siehe letzter Absatz), dass das realistische Killen von anderen Menschen in Computerspielen wahrscheinlich für ganz junge Leutz nicht geeignet ist. Militärspiele sind überhaupt eine Art virtuelles Revival altbackener Männlichkeitsideale (schreibt z.b. Peter Jedlicka in „Computerspielsucht-Therapie“, aber auch in „Mission Boys4peace“) – sollte mal kritisch diskutiert werden!

Simon

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