Kaufsucht

Wenn Online-Shopping zum Zwang wird – die Kaufsucht im Internet

KaufsuchtDie Problematik der Kaufsucht wird bis heute selten thematisiert, das ist erstaunlich, da sie sehr weit verbreitet ist. Schätzungen zufolge leiden etwa eine Million Menschen in den deutschsprachigen Ländern unter der Kaufsucht. Eine Gefährdung, in diese Krankheit abzurutschen besteht bei jeder 20. Person.
In allen Industrieländern wird seit Jahren die steigende Tendenz zur Kaufsucht beobachtet. Die Betroffenen kaufen, weil sie gar nicht mehr anders können. Der Fachbegriff für die Kaufsucht lautet Oniomanie. Es ist eine anerkannte psychische Krankheit, welche sich im zwanghaften Erwerb von zum größten Teile unnützen Dingen äußert. Der freie Wille wurde von der Sucht zu Kaufen längst ausgeschaltet. Denn der Kauf löste ein tiefes Glücksgefühl aus, genau wie der Konsum einer stoffgebundenen Droge. Die psychischen Mechanismen bei stoffgebundenen und stoffungebundenen Drogen ähneln sich sehr. So wird auch das für den Drogenkonsum typische kurzfristige Hoch, welches beim Kauf entsteht sehr schnell wieder von einer inneren Leere abgelöst.
Um den Zustand des Glücks durch Kaufen wieder zu erreichen, tätigt der Süchtige zwanghaft den nächsten Einkauf. Mit dem Entstehen des Internets und der virtuellen Welt bekommt dieses problematische Verhalten noch eine ganz neue Dimension. Denn süchtige Menschen verstecken ihre Sucht vor ihrem sozialen Umfeld. Sie schämen sich für ihre vermeintliche Schwäche und unternehmen allerlei Anstrengungen, damit ihre Sucht nicht von ihren Familien und Freunden erkannt wird. Der virtuelle Raum im Internet lässt dem von der Kaufsucht Betroffenen die gewünschte und doch so gefährliche Anonymität. In den zahllosen Online-Shops kann der Mensch, der an der Kaufsucht leidet hemmungslos und unbeobachtet seinem inneren krankhaften Drang nachgehen. Die Kaufsucht wird durch den Online-Handel in vielerlei Hinsicht gefördert. Zum Beispiel gibt es keine Ladenschlusszeiten. Die Droge um die sich die Kaufsucht dreht, ist Tag und Nacht verfügbar. Und auch die Zahlungsart verführt zum Online-Shoppen ohne Limit. Denn die virtuellen Methoden der Zahlung scheinen für den von der Online-Kaufsucht Betroffenen in keinem direkten Zusammenhang mit der real verfügbaren Geldmenge auf dem eigenen Konto zu stehen. Der Kaufrausch per Klick wird nicht vom Griff zur realen Geldbörse getrübt.

Die Online-Kaufsucht als anerkannte Zwangsstörung wird auch durch die personalisierte Werbung im Internet gefördert. Kaum interessiert man sich für einen Artikel oder kauft ein bestimmtes Produkt, schon bekommt man ungefragt weitere Vorschläge für den nächsten Einkauf. Auch das unendliche Angebot von Waren im Internet trägt sicherlich zur Entwicklung einer Kaufsucht bei. Denn es ist schwer, so vielen schönen Dingen zu widerstehen.

Wie viele andere Süchte auch kann die Kaufsucht ganz harmlos beginnen, sich dann kontinuierlich steigern, um schließlich völlig außer Kontrolle zu geraten. Wer unter der Kaufsucht leidet, der ist süchtig nach dem Kauf durch den Klick. Das Kaufverhalten innerhalb der Kaufsucht ist exzessiv und vom Betroffenen nicht bewusst steuerbar. Dieses pathologische Kaufverhalten ist auch dadurch gekennzeichnet, dass der von der Kaufsucht Betroffene völlig wahllos einkauft. Die gekauften Artikel sind relativ nebensächlich. Der Kick entsteht mehr oder weniger alleine durch das Kaufen an sich. Wobei etwas einschränkend gesagt werden muss, dass Frauen eher dazu neigen Kleidung, Schmuck und Kosmetik zu erwerben. Der Fokus bei männlichen Betroffenen der Kaufsucht liegt eher bei technischen oder elektronischen Artikeln. Beiden gemeinsam ist, dass die erworbenen Dinge ihren Reiz verlieren, sobald sie sich im Besitz befinden. Der Konsum von Waren löst sich in der Kaufsucht völlig vom tatsächlichen Bedarf ab. Völlig unnötige Waren oder Waren in hoher Stückzahl die in keiner Relation zum realen Leben stehen werden erworben. Die Schulden die sich durch dieses Verhalten anhäufen werden im Krankheitsbild der Kaufsucht nicht mehr realisiert. Wichtig erscheint einzig das Erleben der Lust und die Verbesserung der Stimmung durch das Online-Shoppen.
Die Online-Kaufsucht zerstört die gesellschaftliche und wirtschaftliche Existenz ganzer Familien. Denn die Folgen der Kaufsucht sind unabwendbar: Überschuldung, Insolvenz und eventuell sogar das Abrutschen in die Kriminalität.

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