Killerspiele

Sie gelten als Inbegriff einer gelangweilten Jugend, die vor den Bildschirmen ihrer Computer regelrecht verroht. Doch ist es zu kurz gedacht, Killerspiele einzig als brutalen Zeitvertreib anzusehen.

Killerspiele

Das Spielgenre ist zu vielfältig, als dass es in eine Schublade gesteckt werden darf. Daran können auch öffentliche Debatten nichts ändern, die die Killerspiele als moderne Befriedigung einer Gier nach Blut und Kampfeslust sehen wollen. Doch wer sich dieser Betrachtungsweise entziehen will, muss hinter die Kulissen solcher Games schauen. Ansatzpunkte zur berechtigten Kritik liefern solche Killerspiele nämlich durchaus. Aber nur der richtige Umgang der Gesellschaft mit ihnen kann vor ernsten Gefahren schützen.

Killerspiele bezeichnen oft fälschlicherweise ein Genre an Computerspielen, das meist aus der Perspektive des Ego-Shooters erfolgt. Der Spieler tritt somit häufig als Einzelkämpfer auf, kann jedoch auch in Teams organisiert sein. Er nimmt sich nicht als 3D-Charakter wahr, den er rundum ansehen kann. Vielmehr zeigen Killerspiele nur die Hände und Arme der animierten Darstellung. Der Spieler betrachtet diese als Verlängerung der eigenen Gliedmaßen. Das schafft eine erste Identifikation zu dem Spiel. Es wird nicht mehr eine bedeutungslose Figur bewegt, deren Geschick dem Spieler egal ist. Killerspiele haben ihren Reiz eher darin, dass man in ihre Welt einzutauchen scheint.

Zu dem Genre der Killerspiele zählen Klassiker wie „Call of Duty“, „Counter-Strike“ oder die „Battlefield“-Reihe. In ihnen wird der Spieler zum Teil eines bewaffneten Konflikts. Dieser wird bevorzugt in einem Weltkriegsszenario dargestellt. Mittlerweile ist aber auch der Terrorismus ein beliebter Bezugspunkt für Killerspiele. Ziel ist es dabei, etwa mehrere Kampagnen eines Krieges durchzuspielen und im Zuge dessen nicht selten auch historische Ereignisse erleben zu können. Andererseits können die dargestellten Konflikte auch unrealistisch sein und jeglichen Bezug zu wahren Ereignissen vermissen lassen. Das verbindende Element der Killerspiele ist jedoch stets, dass der Spieler aus der Ich-Perspektive heraus an Kämpfen teilnimmt und diese beeinflusst.

Killerspiele sind dabei relativ simpel strukturiert. Vielfach gibt es nur wenige Möglichkeiten, ein Ziel zu erreichen. Wie an Kontrollpunkten muss sich der Spieler von Gegner zu Gegner bewegen, diese töten und damit vorankommen. Stirbt er selbst, wird das Level an einem bestimmten Punkt neu begonnen. Das kann durchaus ärgerlich sein, denn auch die grafischen Eigenschaften der Killerspiele sind meist eher dürftig. So werden Häuser und Landschaften gerne als eindimensionale Gegenstände in die virtuelle Welt gesetzt, die lediglich durch diese begrenzt ist. Doch liegt der Sinn der Killerspiele in der schnellen Waffengewandtheit sowie der Präzision und nicht in der Betrachtung einer schönen Grafik.

Wer Killerspiele spielt, tut das entweder alleine oder in organisierten Teams. Diese führen oft bestimmte Wettkämpfe mit anderen Mannschaften aus und ermitteln daraus den Sieger. Die Struktur solcher Teams ist nicht selten dem militärischen Vorbild abgeschaut. Es gibt ungleiche Ränge, deren Privilegien und Pflichten sich unterscheiden. Dabei kann es zu beängstigenden Auswüchsen kommen, wenn etwa der Untergebene nicht hören will. Der Zusammenhalt gründet darauf, sich auf den jeweils anderen verlassen zu können. Wer da nicht mitzieht, muss die Killerspiele meist wieder für sich alleine spielen. Doch auch darin können Gefahren liegen.

Killerspiele fördern mit ihrer Aneinanderreihung von Aufgaben das Suchtverhalten. Ist das eine Problem gelöst, steht bereits das nächste an. Killerspiele können von den Spielern daher nicht einfach zwischendrin unterbrochen werden. Jedenfalls glaubt der Spieler das, denn er fühlt sich den Zielen der Killerspiele verbunden. Oft wird dadurch die Schule oder die Arbeit vernachlässigt. Wer dem Reiz der Killerspiele nicht erliegen will, sollte daher stets auch eine Suchtbehandlung in Erwägung ziehen. Denn nur der richtige Umgang der Gesellschaft mit diesem Spielgenre kann vor einer falschen Betrachtungsweise und ihren Gefahren schützen. Killerspiele sind zunächst nur PC-Spiele wie viele andere auch. Ein offener und bewusster Umgang mit ihnen ist daher wünschenswert.

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