Onlinesexsucht

Die Onlinesexsucht bleibt oft vom Umfeld des Betroffenen unnerkannt

Mit dem Aufstieg der IT-Technologie um die Jahrtausendwende hat sich zu den bekannten Süchten wie Glücksspielsucht oder Kaufsucht – also Süchten, bei denen der Betroffene nicht von einem konkreten Stoff wie Nikotin oder Alkohol abhängig ist – eine neue, rasant ansteigende Sucht gesellt: Die Online-Sucht.Dabei verbringt der Betroffene – oft ohne es wahrzunehmen – übermäßig viel Zeit im Internet, wobei die konkrete Tätigkeit dort variieren kann: So können sich bekannte Süchte wie Kaufsüchte im Internet verschlimmern, da dort das Angebot hoch und günstig ist. Weitere Süchte sind die Computerspielsucht, bei denen der Süchtige unangemessen viel Zeit mit Computerspielen verbringt, wobei dies jede Art von Computerspielen sein kann. Auch das exzessive und wahllose Herunterladen von Dateien und Software aus dem Internet aufgrund einer Download-Sucht kommt vor.

Alle diese Süchte sind extrem problematisch, da sie für Realitätsverlust und sozialen Rückzug des Betroffenen sorgen können, womit sich sein Suchtverhalten verstärkt, um den entstehenden Druck zu kompensieren oder Schuldgefühle auszuweichen – ein perfekter Teufelskreis.Diese Süchte stellen allerdings einen relativ geringen Prozentsatz der Online-Süchte. Die beiden größten sind die Online-Glücksspielsucht, welche auch für finanzielle Probleme des Abhängigen sorgen kann, und als größte und womöglich problematischste: Die Onlinesexsucht.

Die Onlinesexsucht zeichnet sich dadurch aus, dass der Betroffene exzessiv pornografisches Material konsumiert, sei es in Form von Bildern, Videos, Sex-Chats, Live-Cams oder anderen Formen von Cybersex. Exzessiv bedeutet in dem Fall, dass der unter Onlinesexsucht Leidende andere Aktivitäten und Pflichten, vielleicht sogar extrem wichtige Dinge wie Essen oder Schlafen, vernachlässigt. Eine konkrete Zeit, welche die Onlinesexsucht beansprucht, ist schwierig anzugeben, da dies von Person zu Person schwankt. Gabriele Farke, die Gründerin der HSO, der „Hilfe zur Selbsthilfe bei Onlinesucht“ (einem Selbsthilfeportal), spricht jedoch davon, dass Süchtige mit unter mehr als 35 Stunden pro Woche auf Pornoseiten verbringen. Dies wird auch dadurch erleichtert, dass pornografisches Material heute oft kostenlos und mehr als unzureichend gesichert im Internet zu erhalten ist. Deshalb ist die Gefahr für Pubertierende, bereits früh eine Onlinesexsucht zu entwickeln, ebenfalls sehr hoch.

Wie bei anderen Süchten zeigt sich die Abhängigkeit bei der Onlinesexsucht auch darin, dass bald immer mehr „Stoff“ zur Verfügung stehen muss, um Befriedigung zu schaffen. Das kann sich sowohl in der Menge an pornografischen Inhalten als auch in der Qualität dieser ausdrücken. So müssen Onlinesexsüchtige oft nicht nur immer mehr, sondern auch immer ausgefalleneres und perverseres Material konsumieren, um den Bedarf der Onlinesexsucht zu decken.
Dabei kann sich eine Art Kopfjägerverhalten entwickeln, welches dazu führt, dass Betroffene der Onlinesexsucht konstant auf der Suche nach dem ultimativen Bild oder Video sind, was der Problematik weiter Nahrung gibt. Meist verlieren die Süchtigen völlig die normale Vorstellung von Sexualität und Erotik, was besonders bei Jugendlichen ohne echte sexuelle Erfahrung fatale Folgen für sexuelle Reife und Gesundheit haben kann.

Zwar sind Einzelgänger mit schwächerem Bezug zur Realität und Menschen mit Depressionen anfälliger für Onlinesexsucht, allerdings handelt es sich bei den Betroffenen keineswegs um Beziehungsgestörte oder Realitätsverdreher. Oft haben Betroffene (der Großteil ist männlich) der Onlinesexsucht einen Partner, der sie allerdings sexuell kaum oder gar nicht mehr befriedigen kann. Dadurch entsteht einerseits die Gefahr, dass Onlinesexsüchtige beginnen zwei parallele Leben zu führen, eines mit dem Partner und eines mit der Onlinesexsucht, wodurch Angst und Scham vor der Entdeckung entstehen. Diese können zur ernsthaften Gefahr für das eigene Leben werden, wenn sie in Depressionen, Minderwertigkeitsgefühlen oder sogar Selbstmordgedanken münden.
Das andere, in dem der Partner davon weiß. In diesem kann es nicht nur der Beziehung, sondern auch dem Partner, wenn er das immer mehr aus den Fugen geratene Leben des Süchtigen, welcher sich nur noch auf Pornografie konzentriert, mit aufzufangen versucht. Die seelischen Schäden für den Partner des Betroffenen der Onlinesexsucht können ebenfalls groß sein: Minderwertigkeitsgefühle, das Gefühl sexuell unattraktiv zu sein, Schuldgefühle, Angst und Aggressivität angesichts der Hilflosigkeit gegenüber der Onlinesexsucht.

Diese Zusammensetzung macht es so schwierig, gegen die Onlinesexsucht vorzugehen, noch dazu sind Anlaufstellen für Betroffene und Angehörige begrenzt, da die Onlinesexsucht erst seit sehr kurzer Zeit in den wissenschaftlichen und therapeutischen Fokus gelangt ist.
Umso wichtiger ist es, den Betroffenen, sofern man Hinweise auf eine Onlinesexsucht hat, darauf anzusprechen, ohne ihm das Gefühl zu geben, ein Problemfall oder Perverser zu sein. Ohne Hilfe von außen schaffen es die wenigsten, denn die Gründe für Onlinesexsucht liegen oft viel zu tief. Mit Anregungen zur Reflexion seiner Situation kann begonnen werden, dem Süchtigen zu helfen um die Onlinesexsucht zu besiegen.


{ 0 Kommentare… füge jetzt einen hinzu }

Hinterlasse einen Kommentar

Vorheriger Beitrag:

Nächster Beitrag: