Rollenspielsucht

Gemeinsam für ewig an ein Spiel gebunden – die Rollenspielsucht

Rollenspiele sind nicht mehr nur kurzweilige Abwechslungen für einen einzelnen Spieler. Unendlich anmutende Welten sind an deren Stelle getreten, bei denen jeder seinen gewählten Weg beschreitet. – Und diesen Weg geht er nicht allein.
Moderne Rollenspiele für eine Vielzahl an Spielern, sogenannte MMORPGs, führen Menschen rund um den Globus im Internet zusammen. Somit unterstützen sich reale Gefährten gegenseitig, kommunizieren miteinander, bauen Freundschaften auf und erleben gemeinsam spannende Abenteuer. – Und nicht selten verfallen sie dabei einer Rollenspielsucht.

Was sind die Voraussetzungen für Rollenspielsucht?

„Nur noch ein Dungeon, ein Monster, eine Quest!“ – Rollenspieler kennen dieses Phänomen, doch auch, wenn Einzelspieler-Rollenspiele oft die eine oder andere Nacht kosten, so ist irgendwann das Dungeon bewältigt, das Monster erschlagen, die Quest gelöst – das Spiel endet.
Ein MMORPG jedoch lebt von seiner Unendlichkeit: Egal wie viele Monster erschlagen sind – das Spiel endet nicht.
Letzteres muss als einer der wichtigsten Faktoren der Rollenspielsucht gelten. Durch die Endlosigkeit kann der Spieler auf unbegrenzte Zeit an das Spiel gebunden werden – die Grundvoraussetzung für eine Rollenspielsucht.
Der zweite Aspekt betrifft die Gefährten, die Freunde, die sich der Spieler während seiner Reisen erspielt hat. Es sind nicht zuletzt die anderen Mitspieler, die eine gegenseitige Rollenspielsucht unbewusst fördern. Denn im Stich lassen will man seine „Freunde“, seine Kampfgefährten niemals. Der Spieler bleibt in der virtuellen Welt – um seiner Gefährten Willen. Dabei verfällt er nur allzu schnell einer Rollenspielsucht, die aus der Sucht nach eben jener Bindung zu den anderen Spielern resultiert.

Wer ist anfällig für die Rollenspielsucht?

In der virtuellen Welt geht der Spieler enge Bindungen zu den anderen Spielern ein. Oft erfährt er eine größere Akzeptanz als in der realen Welt. Insbesondere, aber nicht nur, sind Ausgeschlossene, sozial Schwächere, Arbeits- und Bindungslose anfällige Personen für die Rollenspielsucht.
Spieler übernehmen eine aktive Rolle in einer virtuellen Allianz, werden zum wichtigen Faktor für den Erfolg.
Auch können sie einem König gleich aufsteigen: Mit der Stufe des Spielcharakters erhöht sich der Respekt der anderen Spieler – der anderen realen Menschen.
Dem will sich niemand verschließen – die Rollenspielsucht entsteht.

Was sind die Folgen einer Rollenspielsucht?

Je mehr die virtuelle Welt den Spieler aufnimmt, umso mehr verschließt sich diesem bei einer Rollenspielsucht die reale Welt, die Schritt für Schritt zu einem notwendigen Übel verkommt. Echte Bindungen werden in der Rollenspielsucht ebenso wie Verpflichtungen vergessen. Ernährung spielt eine untergeordnete Rolle. Trägheit und Unlust erfüllen den Spieler mit einer Rollenspielsucht bei realen alltäglichen Arbeiten.
Die reale Welt wird uninteressant, unwichtig, ungeliebt, da die virtuelle Welt so viel mehr schöner scheint. Der Spieler mit einer Rollenspielsucht ist süchtig nach dieser Welt.
Gefährlich wird dies, wenn doch wichtige Pflichten auf den Spieler mit Rollenspielsucht warten: Kinder, die die elterliche Fürsorge erwarten und im Stich gelassen werden, sind reale, besorgniserregende Fälle einer Rollenspielsucht.

Wer ist verantwortlich für die Rollenspielsucht?

Es scheint klar, den Spieleherstellern die Schuld an der Rollenspielsucht zu geben. Sie hätten das Spiel produziert und sorgten dafür, dass Spieler daran gebunden bleiben und der Rollenspielsucht verfallen.
Doch so einfach ist es nicht, denn es darf nicht vergessen werden, dass der größere Prozentsatz an Spielern nicht von einer Rollenspielsucht betroffen ist. Dieser spielt das Spiel zur Entspannung, erlebt kurzweilig Abenteuer – vielleicht sogar mit seinen Freunden. Aber er kehrt gewissenhaft zum Alltag zurück, schaltet den Computer im richtigen Moment ab. Die Rollenspielsucht ergreift nicht von ihm Besitz.
Nicht nur der Spielehersteller ist verantwortlich für die Rollenspielsucht, sondern auch die Möglichkeit, dass sozial Schwächere in die virtuelle Welt als einzige Fluchtmöglichkeit abfallen. Eltern, Schulen und andere Bildungseinrichtungen müssen ebenfalls Verantwortung übernehmen, müssen über die möglichen Folgen einer Rollenspielsucht aufklären, damit diese moderne Form der Sucht eingedämmt wird.

Rollenspielsucht – eine aktuelle Gefahr mit komplexen Wurzeln!

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