Sucht im Zeitalter des Internets

Im Zeitalter des Internets ist Pornografie fr jeden anonym zugnglich. Die Zeiten, in denen man heimlich nach bestimmten Erotikmagazinen hinter der Theke gesucht hat, sind lange vorbei. Mit dem Erscheinen des Playboys und dem Aufkommen des Internets, welches gefllt ist mit leicht verfgbarer und kostenfreier Pornografie, ist der Umsatz der Pornoindustrie massiv eingebrochen. Es gibt aber noch einen weiteren Nachteil in der Erotikindustrie, vielen Menschen sind abhngig von Pornovideos, es kann sogar so weit gehen, dass das eigene Sexualleben darunter leidet. Manche nennen es eine Sucht – aber was sagt die Wissenschaft dazu?

Bevor diese Frage beantwortet werden kann, wird eine kurze (und extrem vereinfachte) Lektion in der Chemie des Gehirns bentigt. Jedes Mal, wenn wir eine Aktion ausfhren, welches ein Bedrfnis oder einen Wunsch erfllt, wird unser Gehirn mit Dopamin freigesetzt. Das macht uns glcklich, weil wir berraschend eine Belohnung erhalten. Wir sehnen uns nach Aktivitten, in denen Dopamin freigesetzt wird, das kann beim Trainieren, Essen oder Sex sein. In der Natur erhalten wir Belohnungen in der Regel nur nach Mhe und mit Verzgerung. Schtig machende Drogen wie Heroin umgehen dies und ermglichen es, unser Gehirn mit Dopamin schnell und einfach zu berfluten, weil Drogen wie Heroin und Kokain die Dopaminzellen aktivieren und auf diese Weise, das Belohnungssystem im Hirn missbrauchen. Wenn die obige Theorie wahr ist, dann sind unsere Gehirne auf einer bestimmten Ebene berzeugt, dass das Medikament fr unser berleben von Vorteil ist. Es ist kein Wunder also, dass die Sehnsucht fr diese Drogen so stark sein kann.

Unabhngig davon, warum wir uns nach diesen Rauschgiften oder diesem Gefhl sehnen, ist die Tatsache, dass sie nicht nur unser Gehirn schdigen, sondern auch physisch seine Struktur verndern. Unser Gehirn schttet Dopamin aus, das von sogenannten Dopaminrezeptoren empfangen wird und schlielich kann das Gehirn kein Dopamin mehr produzieren. Es sehnt sich nach der Droge, auch wenn sie nicht mehr die gleiche Wirkung hat. Die weniger unmittelbaren und natrlichen Quellen von Belohnung (wie Sport oder Geselligkeit) knnen den Effekt nicht mehr erfllen. Die neurologischen Prozesse, die Motivation und Glck sind vllig entgleist.

Wie kann man das im Bezug auf Pornografie vergleichen? Es wird die Belohnung verhindert und das Gehirn mit Dopamin berflutet. Dopamin wird auch umgangssprachlich Glckshormon genannt, da es positiv auf unsere Stimmung wirkt Da die Rezeptorzellen abstumpfen, brauchen Porno User mehr Pornos, um fter die extreme Zufriedenheit zu erreichen. Online gibt es einen berschuss an diesen. Das Gehirn strkt die neuronalen Verbindungen, auch wenn diese extremen und spezifischen Geschmcke vllig unrealistisch sind. Schlielich kann es zu einem Punkt kommen, wo man wegen bermigem Pornokonsum nicht mehr in der Lage ist eine gesunde, sexuelle Beziehung aufrecht zu erhalten. Wenn Pornografie unsere Gehirne und Beziehungen negativ beeintrchtigt, kann sie neben Drogen auch als Suchtmittel eingestuft werden?

Vielleicht ein Widerspruch zu den Studien. Valerie Voon, Forscherin an der Cambridge University fand heraus, dass die Gehirne von Nutzern, die Pornos konsumieren, die gleiche Reaktion hervorruft, wie die von Drogenabhngigen, wenn sie Drogenutensilien sehen. Die Studie indiziert eine Korrelation zwischen Pornographie und zwanghaftem sexuelles Verhalten, dennoch es gibt keine ausreichenden Anhaltspunkte dafr, den Verursacher Pornografie zu bestimmen. Voon glaubt, dass Pornografie als Sucht anerkannt werden kann. Es ist das gleiche Muster wie bei einer normalen Sucht. Wir brauchen nur noch mehr Studien dazu, sagt sie.

Nicole Prause, eine Forscherin an der University of California, fand das genaue Gegenteil heraus. Ihre Studie zielte darauf ab, eine bestimmte Hirnreaktion in den Kpfen der Porno-User als P300 bekannt zu messen. Diese chemische Reaktion kann man in einer charakteristischen Hirnstromwelle rund 300 Millisekunden nach einem Stimulus beobachten und die Antwort ist strker, wenn der Betrachter emotional mit dem Stimulus verbunden ist. Wenn zum Beispiel drogenabhngige Menschen Nadeln sehen, zeigt sich P300. Prause erwartet die gleiche Reaktion im Gehirn von Pornonutzern, wenn sie einen pornografischen Stimulus sehen, berraschenderweise ist dies aber nicht eingetreten. Es wurden keine deutlichen Vernderungen in P300 auf die schwere der sexuellen Probleme im Zusammenhang mit den Themen beobachtet. Ob Pornos oder neutrale Bilder wie Skifahren Unsere Ergebnisse lassen sie berhaupt nicht wie Schtige aussehen, so Prause.

Die zwanghafte Nutzung von Pornos ist nicht das einzige Verhalten, das als Sucht in Frage gestellt werden kann. Viele Magazine schreiben ber den offensichtlichen Anstieg der sozialen Medien- oder Videospielsucht, als wre die Tatsache schon belegt, obwohl es noch keinen wissenschaftlichen bestehenden Konsens gibt, ob diese neuzeitlichen technologiebasierte Abhngigkeiten sich in der gleichen Weise manifestieren wie andere typische Suchtarten. In der Art und Weise, wie diese Gewohnheiten im Zusammenhang mit Videospielen oder Pornos stehen, oder das Leben eines Users steuern und die irrationalen Denkmuster frdern vielleicht sollte die moderne Wissenschaft ihre Einstufungskriterien anpassen und sich mehr mit der Porno-, Social Media- oder Videospielsucht befassen?

In einer Studie mussten Facebook-Nutzer fr 99 Tage auf die Website verzichten, die meisten Menschen scheiterten jedoch rasch an der Herausforderung. Eine andere Studie vom American Marketing Institute zeigt auch, dass Social Media Dopamin frdert. Viele Experten, argumentieren jedoch immer noch damit, dass ein bermiger und gewohnheitsmiger Gebrauch von Social Media garantiert nicht, als schtig machend bezeichnet werden kann. Eine Forschung von der Harvard University hat weiterhin festgestellt, dass das wahrgenommene Risiko der Abhngigkeit von iGaming gar nicht so hoch ist wie en angenommen, der durchschnittliche Online-Spieler demonstriert in der Tat eine disziplinierte Einhaltung der Selbstgrenzen. Die meisten groen Online-Pokerrume folgen auch strengen Vorschriften, wann und wie zu intervenieren ist, um effektiv das Risiko vom zwanghaften Spiel senken, vor allem wenn ein User das typische Verhalten eines schtigen Spielers an den Tag legt.

Ob mit widersprchlichen Studien ber technologiebasierte Abhngigkeiten der Aufdruck Sucht zu rechtfertigen ist, sei dahin gestellt. Zwanghafte Pornoverbraucher knnen jederzeit persnliche oder professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Schauspieler und ehemaliger NFL-Spieler Terry Crews ist berzeugt, dass Pornosucht real ist und will das Bewusstsein fr die Gefahren erhhen. Er erklrt, dass er mit Pornosucht seit mehreren Jahren zu kmpfen hat und die Abhngigkeit von Pornografie seine psychische Gesundheit stark beeintrchtigt hat. Sogar die Plattform reddit, dient als Selbsthilfeplattform fr Tausende von Usern, die ebenfalls die Meinung vertreten, das Pornografie eine reale Sucht darstellt, die das Leben ruinieren kann, wie viele andere auch.

Sucht oder nicht, eines ist klar, weitere Forschungen sind erforderlich, bis man belegen kann, ob es sich bei Pornografie oder Social Media um eine neue Form der Sucht handle. Bei der Erforschung der Pornosucht, bemngelt Prause, dass die hufig kontroversen Studien nur zgerlich von Agenturen finanziert werden. Es ist schwierig, ernst genommen zu werden, sagt sie. Aber eigentlich ist es eine Wissenschaft wie jede andere. Es ist interessant: werden wir in Zukunft ber die gesundheitlichen Risiken von Pornos in der gleichen Weise gewarnt werden, wie wenn wir vor Drogen gewarnt werden? Werden knftig Anti-Sucht-Vorschriften auf Pornoseiten zu finden sein, wie auf Glcksspiel-Seiten? Die Zukunft wird es zeigen.


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